Krankheiten von A-Z Allergie
Eine Allergie ist eine überschießende und unerwünschte heftige Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte und normalerweise harmlose Umweltstoffe (Allergene). Der Körper reagiert mit Entzündungszeichen und der Bildung von Antikörpern.
Was ist eine Allergie?
Eine Allergie ist eine überschießende Abwehrreaktion des Körpers gegenüber einem oder mehreren Fremdstoffen.
Das Abwehrsystem schützt den Menschen vor Schadstoffen und Krankheitserregern, indem es bei Kontakt mit ihnen mit einer sinnvollen Abwehrreaktion antwortet. Darüber hinaus merkt es sich diesen Stoff beziehungsweise Erreger. Bei erneutem Kontakt kann es schneller und meist auch heftiger reagieren und so den Körper schützen.
Das Abwehrsystem erkennt auch jene Fremdstoffe, die keine schädigende Wirkung haben. Bei Kontakt reagiert es mit einer abgeschwächten Abwehrreaktion. Bei einer Allergie wird die Abwehrreaktion gegenüber diesen an sich harmlosen Fremdstoffen nicht gedrosselt. Vielmehr findet eine überschießende, nicht angemessene Abwehrreaktion statt.
Bei Sofortreaktionen wird durch die Reaktion zwischen Allergen und spezifischen IgE-Antikörpern Histamin in besonderen Zellen (Mastzellen) freigesetzt. Dieser Botenstoff führt zu den allergischen Erscheinungen.
Bei Reaktionen vom verzögerten Typ entwickeln sich die allergischen Reaktionen erst im Verlauf von Stunden bis Tagen, dann oft in Form von Hautekzemen.
Grundsätzlich kann jeder Stoff aus der Umwelt zum Allergieauslöser werden. Meist handelt es sich um Eiweißsubstanzen tierischer oder pflanzlicher Herkunft.
Wie macht sich eine Allergie bemerkbar?
Allergene
Stoffe, die bei einem Menschen eine Allergie auslösen, werden Allergene genannt. Kommt der Allergiker mit ihnen in Kontakt, können die Symptome auftreten:
- sofort (Sofortreaktion),
- erst nach Minuten bis Stunden (verzögerte Soforttypreaktion),
- gar nach Stunden bis Tagen (Spätreaktion).
Diese Reaktionen können an der Stelle des Allergenkontakts oder am gesamten Körper (generalisierte Reaktion) auftreten.
Heuschnupfen
Eine häufige Form der Allergie ist der Heuschnupfen. Hierbei reagieren Nase, Augen und obere Luftwege mit einer Reizung der Schleimhäute wie Fließ- oder Stockschnupfen und juckenden beziehungsweise tränenden Augen. Ursache sind die Pollen von Gräsern, Kräutern und Bäumen.
Allergisches Asthma bronchiale
Eine Komplikation dieser Allergieform ist das allergische Asthma bronchiale. Hierbei schwellen die Schleimhäute der Atemwege an und produzieren vermehrt zähen Schleim. Durch die Verkrampfung der Bronchien kommt es zu Husten und Atemnot.
Die Gefahr ist groß, dass ein unzulänglich behandelter Heuschnupfen mit der Zeit in Asthma übergeht (Etagenwechsel). Deswegen muss jede Art von Heuschnupfen rechtzeitig erkannt und umfassend behandelt werden. In vielen Fällen ist daher der Verzicht auf eine spezifische Immuntherapie (auch "Hypo- oder Desensibilisierung" genannt) verantwortungslos.
Die Flugsaison der Pollen ist abhängig von der Pflanzenart und zeitlich begrenzt. Von Pollen hervorgerufene Allergien treten deshalb nur in dieser Zeit auf. Grundsätzlich gilt, dass eine Allergie nur dann Krankheitszeichen hervorruft, wenn der Betroffene Kontakt mit dem auslösenden Allergen hat.
Hausstaub(milben)allergie
Die Hausstauballergie ist nach dem Heuschnupfen die zweithäufigste Allergie. Besonders Kinder sind gefährdet, weil die meisten Asthma-Erkrankungen im Kindesalter als Folge einer Hausstauballergie entstehen.
Auslöser ist der Kot der Hausstaubmilbe, der sich nach dem Ausscheiden mit dem Hausstaub verbindet. Die winzigen Spinnentierchen leben besonders gern in Matratze und Bett. Aber auch Teppiche, Sofa und Kuscheltiere bieten ihnen einen idealen Lebensraum. Sie leben in jedem Haushalt, ihr Vorkommen hat mit mangelnder Hygiene nichts zu tun.
Wenn trotz geeigneter Maßnahmen der Kontakt mit dem Allergen nicht eingeschränkt werden kann, kann auch hier eine spezifische Immuntherapie sinnvoll sein.
Tierhaarallergie
Sehr häufig sind Reaktionen auf die Allergene, die von Pferden, Katzen oder Hunden ausgehen. Allergen wirken aber nicht die Tierhaare selbst, sondern die daran haftenden Spuren von Schweiß, Talg, Speichel oder Urin. Sie können allergische Reaktionen auf den Schleimhäuten von Augen, Nase oder Bronchien auslösen.
Nahrungsmittelallergie
Verbreitet sind Allergien gegen Kuhmilch und Hühnereiweiß, vor allem im Kleinkindesalter. Die Beschwerden sind vielfältig und zeigen sich zum Beispiel durch Übelkeit und Durchfall, Schwellungen an Lippen, im Mund und Gesicht, Juckreiz und Hautausschläge.
Im Magen-Darm-Trakt treten Übelkeit und Magenschleimhautentzündungen auf. Es kann zu wässrigen, schleimigen und in seltenen Fällen auch blutigen Durchfällen kommen.
Die Symptome können mild aber auch sehr heftig auftreten und von allgemeinem Juckreiz, Fieber, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und Müdigkeit sowie Abgeschlagenheit begleitet sein.
Echte Nahrungsmittelallergien im Erwachsenenalter sind selten. Viel häufiger sind Kreuzallergien (der Körper reagiert zum Beispiel bei einer Beifußallergie auch auf Sellerie), nicht-allergische Unverträglichkeiten (wie Sulfite), Enzymmangelkrankheiten (zum Beispiel Lactose-Unverträglichkeit) oder Darmerkrankungen.
Bei einer Begrenzung der Beschwerden auf den Mund-Rachenraum spricht man vom "oralen Allergiesyndrom".
Insektengiftallergie
Auslöser ist das Gift von Bienen und Wespen, das bei einem Stich abgegeben wird. Typische Reaktionen sind Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle, die über eine bei jedem Menschen vorkommende Reaktion hinausgehen. Außerdem kann es bei Allergikern zu Allgemeinbeschwerden wie Nesselsucht, Benommenheit, Herzrasen und Blutdruckabfall bis hin zum allergischen Schock kommen.
Anaphylaktischer Schock
Der allergische Schock, auch anaphylaktischer Schock genannt, ist eine seltene, besonders schwere Form der Allergie. Bei einer hochgradigen Sensibilisierung kann fast jede Art von Allergen, das in den Körper gelangt, einen anaphylaktischen Schock verursachen.
Ohne Behandlung kann er zum Tode führen und erfordert deshalb sofortige notärztliche Maßnahmen.
Allergiker, die schon einmal eine Allgemeinreaktion wie Atemnot oder Kreislaufstörung gezeigt haben, müssen immer ein Notfallset bei sich tragen, um sich bei einer entsprechenden Reaktion bis zum Eintreffen des Notarztes selbst behandeln zu können. Dieses Notfallset besteht, wenn eine mittlere bis schwere Allgemeinreaktion aufgetreten ist, aus einem Antihistaminikum (in flüssiger Form), einem Kortisonpräparat (am besten ebenfalls in flüssiger Form) und Adrenalin (Epinephrin) als Fertigspritze, das vom Allergiker selbst oder einer Hilfsperson in den Oberschenkel gespritzt wird.
Kontaktallergie
Bei einer Kontaktallergie entsteht an der Stelle, an der das Allergen auf Haut oder Schleimhaut einwirkt, eine entzündliche Reaktion (Ekzem). Diese tritt typischerweise erst Stunden bis Tage nach dem Kontakt auf. Deshalb ist manchmal der Zusammenhang schwer herzustellen. Häufige Auslöser sind Nickel, Duftstoffe, Kosmetika oder Gummibestandteile.
Wie stellt der Arzt eine Allergie fest?
Beschwerden bestimmen
Zunächst erfragt der Arzt (Allergologe) die Beschwerden. Wichtig ist es festzustellen, ob ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Auftreten der Beschwerden und Kontakt zu dem mutmaßlich auslösenden Stoff besteht. Wenn die geschilderten Symptome auf eine Allergie hinweisen, sollte das auslösende Allergen ermittelt werden. Die wirksamste - und manchmal einzig mögliche - Behandlung einer Allergie ist das Meiden dieser Substanzen.
Allergietest
Um das Allergen zu finden, führt der Arzt Allergietests durch. Voraussetzung ist, dass zu dem Zeitpunkt keine Medikamente eingenommen werden, welche die Allergie unterdrücken.
Je nach Allergie stehen verschiedene Tests zur Verfügung:
Bei den Soforttypreaktionen steht häufig ein Hauttest am Anfang der Diagnostik. Dabei werden die Allergene auf den Unterarm aufgetragen und die Haut leicht angeritzt (Pricktest) beziehungsweise in die Haut eingerieben (Reibetest). Ein Ergebnis ist bereits nach wenigen Minuten sichtbar. Bei nicht eindeutigen Ergebnissen können bestimmte Allergene auch in die Haut gespritzt werden (Intrakutantest).
Um eine Kontaktallergie nachzuweisen, wird ein Pflastertest durchgeführt. Dabei werden verschiedene Substanzen mit einem speziellen Pflaster auf den Rücken geklebt. Nach 48 Stunden wird das Pflaster entfernt und die Hautreaktion erstmalig beurteilt. Nach einem weiteren Tag wird die Reaktion zum zweiten Mal beurteilt, um zwischen Hautreizung und Allergie unterscheiden zu können.
Weitere Testmethoden sind Provokationstestungen und Blutuntersuchungen, bei denen IgE-Antikörper gegen die jeweiligen Allergene untersucht werden. Ein Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel sollte zum Beispiel nur dann erfolgen, wenn eine Allergie eindeutig erwiesen ist, zum Beispiel durch eine kontrollierte Provokationstestung.
Ergänzende Labortests können nur in wenigen Situationen sinnvoll sein, zum Beispiel ein Lymphozytenstimulationstest bei Verdacht auf Metallallergie.
Wird bei dem Allergietest kein Verursacher gefunden, kann dennoch eine Allergie vorliegen. Denn es ist möglich, dass das Allergen in den untersuchten Proben nicht vertreten war.
Allergiekalender
Daher ist es hilfreich, schon vor den Tests einen Allergiekalender zu führen.
Der Betroffene trägt jeden Tag ein,
- was er wann gegessen,
- welche Medikamente er eingenommen hat,
- ob Kontakte zu besonderen Substanzen bestanden haben und
- wann mit welcher Heftigkeit Symptome aufgetreten sind.
Auf diese Weise kann das auslösende Allergen möglicherweise weiter eingegrenzt und ermittelt werden, selbst wenn der Kontakt schon ein bis zwei Tage zurückliegt.
Wie wird eine Allergie behandelt?
Die risikoärmste und beste Therapie ist, den Kontakt mit dem Allergen zu meiden. Dies ist jedoch nicht immer möglich, zum Beispiel bei einer Pollenallergie. Bei Tierhaarallergien sollte ein vorhandenes Haustier nur dann abgeschafft werden, wenn es nachweislich der Auslöser der allergischen Beschwerden ist. Bei Katzenhaarallergie muss das nicht zum Erfolg führen, da Katzenhaare auch noch nach Jahren in der Wohnung nachweisbar sein können. Auf Speisen, Getränke oder Kontaktstoffe, auf die Betroffene allergisch reagieren, muss verzichtet werden. Dieses setzt aber eine eindeutige allergologische Diagnose voraus.
Hyposensibilisierung
Die einzige ursächliche Therapie einer Soforttyp-Allergie ist die Spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hypo- oder Desensibilisierung genannt. Ziel der Hyposensibilisierung ist es, den Körper für das Allergen unempfindlich zu machen. Sie kann nur durchgeführt werden, wenn das auslösende Allergen bekannt und als Hyposensibilisierungslösung erhältlich ist.
Bei der subkutanen Immuntherapie (SLIT) erhält der Patient über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren in regelmäßigen Abständen Injektionen immer höherer Dosierungen des Allergens unter die Haut. Dabei wird die Menge des Allergens so gewählt, dass maximal eine örtliche Reaktion (kleine Schwellung an der Einstichstelle mit Juckreiz) auftritt. Dieses Vorgehen ist schwierig und bedarf einer großen Erfahrung. Die Einleitung einer Immuntherapie bei Bienen- oder Wespengiftallergie wird im Krankenhaus unter stationären Bedingungen vorgenommen.
Es gibt verschiedene Behandlungsschemata. Leichtere Ausprägungen von Heuschnupfen können inzwischen "präsaisonal" behandelt werden, das heißt mit einer vier- bis siebenwöchigen Spritzenkur vor Auftreten der Beschwerden. Ansonsten wird die Erhaltungsdosis meist das gesamte Jahr über in größeren Abständen injiziert. Auch bei korrekter Durchführung der Therapie besteht immer die Gefahr, dass es unmittelbar nach der Injektion zu einer heftigen allergischen Reaktion bis hin zu einer Schockreaktion kommen kann. Aus diesem Grund sollte der Patient nach jeder Spritze mindestens 30 Minuten (Insektengift: 60 Minuten) unter Beobachtung bleiben.
Die Hyposensibilisierung mit Tropfen, die unter die Zunge gegeben werden, nennt man Sublinguale Immuntherapie (SLIT). Sie ist hinsichtlich der genauen Dosierbarkeit des Allergens der Spritzentherapie unterlegen. Da die Tropfengröße immer leicht variiert und auch die Allergenaufnahme über die Mundschleimhaut durch Speichelfluss oder unwillkürliches Herunterschlucken verändert sein kann, sind die Erfolge bei der gespritzten Hyposensibilisierung größer. Insbesondere für Kinder und Jugendliche fehlen bisher ausreichende Studien zur Wirksamkeit. Mittlerweile gibt es Gräserallergene auch für Kinder in Tablettenform. Mangels Langzeiterfahrungen ist eine abschließende Beurteilung dieser Therapieform weder für Kinder noch für Erwachsene möglich.
Diese Therapie kann nicht bei jeder Allergie durchgeführt werden und ist auch nicht in jedem Fall erfolgreich. Gute Ergebnisse werden bei Insektengift-, Pollen- und zunehmend auch bei Hausstaubmilbenallergien erzielt. Insgesamt ist die Erfolgsrate höher, je weniger Allergien gleichzeitig behandelt werden. Deswegen beschränkt man sich auf zwei bis höchstens drei Allergene.
Medikamentöse Therapie
Andere Therapien unterdrücken nur die Symptome der Allergie, bekämpfen jedoch nicht ihre Ursache. Hierzu zählen medikamentöse Therapien, bei denen das jeweilige Mittel auf unterschiedliche Art und Weise verabreicht wird.
Bei Soforttypallergien werden die folgenden Medikamentengruppen eingesetzt:
Antihistaminika
Die Wirkstoffgruppe der Antihistaminika wirkt dem Botenstoff der allergischen Reaktion, dem Histamin, entgegen und lindert die Symptome bei Heuschnupfen und Nesselsucht (Urtikaria). Insbesondere bei der Anwendung in Tablettenform oder als Spritze sind Nebenwirkungen möglich: Manchmal machen die Medikamente müde. Selten treten Sehstörungen, Mundtrockenheit und Übelkeit auf. Oft können diese Nebenwirkungen durch den Wechsel des Arzneimittels vermieden werden, wobei die Verträglichkeit bei jedem Patienten verschieden ist. Im Allgemeinen sind moderne Antihistaminika besser verträglich.
Mastzellstabilisatoren
Ein weiterer Wirkstoff, das DNCG (Dinatriumcromoglycat oder Cromoglicinsäure) verhindert, dass Histamin aus den Mastzellen im Körper freigesetzt wird. Er wirkt nicht, wenn Symptome bereits aufgetreten sind, sondern nur vorbeugend. Daher muss er bei Heuschnupfen regelmäßig (bis zu viermal täglich) schon vor der Pollensaison angewendet werden. Seltene Nebenwirkungen sind Hautausschlag, Muskel- und Gelenkschmerzen.
Glukokortikoide
Glukokortikoide werden umgangssprachlich als Kortison bezeichnet. Kortison ist ein körpereigenes Hormon. Es wirkt entzündungshemmend und kann die Symptome einer Allergie effektiv bekämpfen. Zur therapeutischen Anwendung kommen jedoch häufig Glukokortikoide, die um ein Vielfaches stärker wirksam sind als das körpereigene Kortison. Bei der örtlichen Anwendung als Nasenspray oder Dosieraerosel sind bei kurzzeitiger Anwendung nur selten Nebenwirkungen zu beobachten, da der Arzneistoff nicht in das Körperinnere aufgenommen wird. Bei der Inhalation von Kortison kann es besonders bei falscher Inhaliertechnik zu Pilzinfektionen im Rachenraum oder Lippenherpes kommen. Am Auge wird Kortison zur Behandlung von Allergien nur im Ausnahmefall und unter ärztlicher Kontrolle angewendet.
Bei der Behandlung von Hautekzemen sind Glukokortikoide eine wichtige Medikamentengruppe zur wirksamen Behandlung der Entzündungen.
Aufgrund seiner guten Wirkung bei der Allergiebehandlung kann in einigen Fällen nicht auf die Gabe von Kortison verzichtet werden.
Wenn Glukokortikoide über längere Zeit in hoher Dosierung eingenommen werden, muss mit Nebenwirkungen gerechnet werden. Beispielsweise kann es durch die Schwächung der körpereigenen Abwehrkräfte vermehrt zu Infektionen kommen.
Weitere Nebenwirkungen können sein:
- Knochenschwund (Osteoporose),
- Bluthochdruck,
- Gewichtszunahme (Vollmondgesicht),
- Verschlechterung des Blutzuckerspiegels bei Diabetikern,
- erhöhter Augeninnendruck sowie
dünne, pergamentartige Haut.
Was passiert, wenn eine Allergie nicht behandelt wird?
Da viele verschiedene, unterschiedlich stark ausgeprägte Allergieformen existieren, gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort. Allergien können sich nach Jahren zurückbilden, wobei die Allergenvermeidung hier wesentlich zur Befundverbesserung beiträgt. Aber auch ein Gleichbleiben des Beschwerdebildes ist möglich. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Beschwerden an Dauer, Stärke und Häufigkeit ohne Behandlung kontinuierlich zunehmen.
Aus dem Heuschnupfen oder der Hausstaubmilbenallergie kann sich ein allergisches Asthma bronchiale entwickeln (sogenannter Etagenwechsel). Der Betroffene verspürt eine Atemnot zunächst nur bei stärkerer Anstrengung, später jedoch schon bei leichten alltäglichen Verrichtungen.
Die generalisierte allergische Reaktion - der anaphylaktische Schock - kann ohne notärztliche Behandlung zum Tode führen. Diese Ausprägung ist allerdings bei Heuschnupfenpatienten äußerst unwahrscheinlich.
Wenn die Hände von einem allergischen Kontaktekzem betroffen sind, kann das dazu führen, dass sowohl tägliche Verrichtungen beispielsweise im Haushalt als auch eine berufliche Tätigkeiten erschwert werden. Bei schweren Handekzemen kann es sogar dazu kommen, dass eine andere berufliche Beschäftigung aufgenommen werden muss.
Was kann der Allergiker selbst tun?
Allergie auslösende Stoffe meiden
Die wichtigste Maßnahme, die der Allergiker selbst ergreifen kann, ist das Meiden des Allergie auslösenden Stoffes. Hiermit sind zum Teil erhebliche Einschnitte im Leben verbunden, die erst nach vollständig abgeschlossener Untersuchung in Absprache mit dem Arzt erfolgen sollten.
So ist das Meiden bestimmter Nahrungsmittel nur bei eindeutig nachgewiesener Allergie sinnvoll, da sonst schnell eine Mangelernährung auftreten kann.
Pollenflugkalender
Wichtig für Pollenallergiker sind Pollenflugkalender, die über die pflanzentypische Blütezeit und Flugsaison informieren. Ein Aufenthalt in allergenarmen Zonen (Hochgebirge oder an der See) kann sehr hilfreich sein.
Kontaktallergie
Zusätzlich zur Vermeidung der auslösenden Allergene sollte auf eine regelmäßige Rückfettung der Haut geachtet werden, damit die Haut einen optimalen Hautschutzmantel aufbauen kann. So wird gleichzeitig einer zusätzlichen Verschlechterung des Hautbildes durch Auslaugung (häufiger Wasserkontakt) vorgebeugt.
Mit Komplikationen umgehen
Allergiker, die bereits ernsthafte Komplikationen erlitten haben, sollten sowohl ihren Allergiepass als auch Notfallmedikamente immer bei sich führen.
Praktische Tipps gegen Heuschnupfen
- Informieren Sie sich über die aktuelle Pollenflugsituation (in Zeitungen, im Radio oder im Internet)! Halten Sie sich in der Blühphase möglichst wenig im Freien auf!
- Vermeiden Sie vor allem anstrengende Aktivitäten im Freien. Dabei atmen Sie kräftiger ein. So gelangen so mehr Pollen in die Lunge!
- Legen Sie Ihren Urlaub in die Flugphase der auslösenden Blüten und Gräser und "flüchten" Sie in pollenfreie Gebiete wie das Meer oder Gebirge!
- Lassen Sie beim Autofahren die Fenster geschlossen und schalten Sie die Lüftung aus! Mit der Luft gelangen die Pollen in den Wagen. Am besten einen Pollenfilter einbauen lassen!
- Auf dem Land ist der Pollenflug morgens besonders hoch, in der Stadt abends. Lüften Sie daher Ihre Wohnung in ländlichen Regionen abends nach 19 Uhr, in der Stadt morgens zwischen 6 und 8 Uhr.
- Kleidung nach Aufenthalt im Freien nicht im Schlafzimmer ausziehen
- Nach Aufenthalt im Freien die Haare abends (vorm Schlafengehen) waschen.
- Brillenträger sollten die Brille unter fließendem Wasser abspülen.
- Eine Nasendusche hilft, die Allergene aus der Nase zu spülen.
Tipps für Patienten mit Hausstaubmilbenallergie
Häufig lüften, besonders das Schlafzimmer!
Zimmerpflanzen aus dem Schlafzimmer verbannen!
Kleidung nicht im Schlafzimmer wechseln!
Staubfänger entfernen! Staubsauger mit speziellem Feinstaubfilter verwenden!
Schaumstoffmatratzen mit milbendichten Spezialbezügen sowie waschbare Oberbetten und Kissen auswählen! Kissen- und Bettenbezüge wöchentlich bei 60 bis 90 Grad Celsius waschen!
Auf Teppiche verzichten!
Zur Milbenbekämpfung kann ein Milbenspray mit Benzylbenzoat oder Niembaumsamenöl eingesetzt werden. Hiermit werden beispielsweise Matratzen eingesprüht.
Tipps für Patienten mit Kontaktallergie
Prüfen Sie die Legierung Ihrer Schmuckstücke genau auf Inhaltsstoffe!
Prüfen Sie die Inhaltsstoffe von Kosmetika, Haarfärbemitteln und Arbeitsstoffen an Ihrem Arbeitsplatz!
Meiden Sie den Kontakt mit unbekannten Substanzen (zum Beispiel Henna-Tattoo am Strand).
Verwenden Sie Haushaltshandschuhe und verringern Sie den Einsatz von waschaktiven Substanzen. Dadurch lässt sich die Auslaugung der Haut durch Wasserkontakt vermeiden.
Eine regelmäßige Rückfettung sorgt dafür, dass die Haut ausreichenden Eigenschutz aufbauen kann.
Impressum
Copyright: Sanvartis GmbH
Letzte Aktualisierung: Mai 2010
Durch: Dr. med. Hans-Jürgen Kammler (Facharzt für Dermatologie)
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