Krankheiten von A-Z Alzheimer Krankheit
Bei der Alzheimer-Krankheit verliert das Gehirn einen Teil seiner Funktion. Die Betroffenen verlieren die Fähigkeit, neue Informationen aufzunehmen.
Hier lesen Sie:
- Was ist die Alzheimer-Krankheit?
- Welche Ursachen hat die Alzheimer-Krankheit?
- Wie verläuft die Alzheimer-Krankheit?
- Wie kann die Alzheimer-Krankheit festgestellt werden?
- Wie behandelt man die Alzheimer-Krankheit?
- Was kann man als Angehöriger für den Betroffenen tun?
- Wie ist die Prognose bei Alzheimer?
- Impressum
Was ist die Alzheimer-Krankheit?
Die Alzheimer-Krankheit ist eine spezifische und gleichzeitig die häufigste Form der Demenz (ungefähr 70 Prozent). Unter Demenz versteht man einen Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit wie Gedächtnis, Denkvermögen, Orientierung und praktisches Geschick bei erhaltenem Bewusstsein. Der Gedächtnisverlust steht dabei im Vordergrund. Aus der Demenz resultiert eine mehr oder weniger starke Beeinträchtigung des täglichen Lebens.
Die Alzheimer-Krankheit, auch Alzheimer-Demenz genannt, ist eine fortschreitende, degenerative Erkrankung, die durch das Absterben von Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Gehirns hervorgerufen wird. Namensgeber ist der Nervenarzt Alois Alzheimer, der 1906 bei einer seiner Patientinnen eine "eigenartige Krankheit der Hirnrinde" beschrieb.
Zurzeit leiden in Deutschland knapp eine Million Menschen an einer Demenz, davon 75 bis 80 Prozent an der Alzheimer-Krankheit.
Das Risiko, an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken, nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Knapp über ein Prozent aller 65- bis 69-Jährigen ist betroffen, bei den 80- bis 84-Jährigen sind es bereits rund 13 Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Zahlen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter zunehmen - eine Folge der steigenden Lebenserwartung.
Welche Ursachen hat die Alzheimer-Krankheit?
Bei der Alzheimer-Krankheit kommt es zu einem fortschreitenden Abbau der Hirnsubstanz, insbesondere in der Hirnrinde, dem Sitz der höheren Hirnfunktionen.
Die genaue Ursache dieses Abbaus ist nach wie vor nicht bekannt. Experten diskutieren eine Reihe verschiedener Hypothesen, die sehr wahrscheinlich in Kombination an der Entstehung der Krankheit beteiligt sind. Dazu gehören genetische, toxische, infektiöse und immunologische Faktoren.
Typisch für die Alzheimer-Demenz sind Ablagerungen bestimmter Eiweißpartikel im Gehirn. Ob diese Ablagerungen Ursache oder Folge des Unterganges von Nervenzellen sind, ist noch nicht abschließend geklärt.
Durch das Absterben von Nervenzellen kommt es zu einem Mangel eines bestimmten Botenstoffes (Azetylcholin) im Gehirn, der für die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen verantwortlich ist.
Wie verläuft die Alzheimer-Krankheit?
Schleichender Beginn
Charakteristisch für die Alzheimer-Krankheit sind ein schleichender Beginn und eine fortschreitende Verschlechterung des Zustandsbildes. Das erste typische Symptom der Alzheimer-Krankheit ist meist Vergesslichkeit. Häufig führen sowohl die Betroffenen als auch ihr Umfeld dieses Symptom, das vor allem das Kurzzeitgedächtnis betrifft, auf das Alter zurück.
Fortschreitende Verschlechterung
Im weiteren Verlauf kommen Denk-, Konzentrations-, Orientierungs- und Wortfindungsstörungen hinzu. Einem Teil der Erkrankten sind diese Einbußen zu Beginn bewusst. Sie versuchen, sie zu kaschieren: Sie machen sich Merkzettel, umschreiben vergessene Fakten, bieten mehr oder weniger logische Erklärungen für ihre kognitiven Einbußen an und halten sich nur noch in einer ihnen bekannten Umgebung auf.
Gerade in dieser Phase leiden viele Patienten auch unter Depressionen.
Zunehmender Gedächtnisverlust
Durch den zunehmenden Gedächtnisverlust kommt es zu nachlassenden Aktivitäten, Unsicherheiten und Verhaltensänderungen. Die Betroffenen haben immer größere Schwierigkeiten, mit neuen Situationen zurechtzukommen. Und finden sich bald auch in der vertrauten Umgebung nicht mehr zurecht.
Nachlassen des Kurzzeitgedächtnis
Nach dem Kurzzeitgedächtnis wird zunehmend das mittelfristige Gedächtnis beeinträchtigt. Der Erkrankte kann zum Beispiel den Inhalt des vorherigen Gespräches nicht wiedergeben oder er stellt manche Fragen immer wieder, weil er die Antworten vergessen hat.
Das Langzeitgedächtnis bleibt in der Regel am längsten intakt. Dies zeigt sich dadurch, dass die Betroffenen viel von "Früher" erzählen. An alles andere erinnern sie sich hingegen nicht mehr.
Ihre Gefühle, ihre Persönlichkeit und ihr Erscheinungsbild bleiben ebenfalls lange Zeit normal.
Persönlichkeitsveränderungen
Bei fortgeschrittener Erkrankung kommt es zu Persönlichkeitsveränderungen. Einfachste Alltagsverrichtungen, wie Essen, Trinken oder Anziehen, werden vergessen und können nicht mehr allein durchgeführt werden. Der Erkrankte erkennt seine Umgebung und auch nahe Angehörige nicht mehr. Dies führt häufig zu Verwirrung, Angst und Unruhe. Die Betroffenen fühlen sich nicht selten bedroht und können aggressiv reagieren. Außerdem ist häufig ihr Schlaf-Wach-Rhythmus im Sinne einer so genannten Tag-Nacht-Umkehr gestört. Dabei schlafen die Betroffenen tagsüber viel und sind vor allem nachts aktiv.
Endstadium
Im Endstadium verstummen die Patienten nicht selten, verlieren die Kontrolle über ihre Körperfunktionen, werden bettlägerig und pflegebedürftig.
Wie kann die Alzheimer-Krankheit festgestellt werden?
Es gibt kein Untersuchungsverfahren, mit dem sich die Alzheimer-Krankheit mit hundertprozentiger Sicherheit diagnostizieren lässt. Jedoch genügt bei den meisten Betroffenen eine Diagnose mit einfachen Mitteln und hoher Sicherheit stellen. Besteht der Verdacht auf eine Alzheimer-Krankheit, sollte man sich an einen Facharzt für Nervenheilkunde (Neurologen/Psychiater) wenden. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Spezialeinrichtungen, so genannte Gedächtnissprechstunden oder Memory-Kliniken, die eine intensive Frühdiagnostik durchführen.
Durch eine ausführliche Befragung (Anamnese) des Betroffenen und der Angehörigen erkennt der Arzt die typischen Symptome. Damit er das Ausmaß der Gedächtnisverluste und eventuelle Verhaltensänderungen besser einschätzen kann, ergänzen psychologische Tests die Anamnese.
Sprechen die erhobenen Symptome für eine Alzheimer-Krankheit, müssen durch weitere Untersuchungen andere Formen der Demenz sowie Erkrankungen ausgeschlossen werden, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen (wie etwa Parkinson-Krankheit, Herzerkrankungen oder Hirntumore). Idealerweise arbeiten mehrere Ärzte zusammen: ein Arzt für Innere Medizin, ein Nervenarzt und ein Psychiater. Außerdem werden das Blut untersucht und eine Computertomografie des Kopfes durchgeführt. Bei der Computertomografie werden Schnittbilder des Gehirns angefertigt. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung ist gelegentlich eine Verkleinerung bestimmter Hirnbereiche erkennbar.
Wenn keine Untersuchung einen Hinweis auf eine andere Ursache der demenziellen Symptome ergeben hat, kann der Arzt die Diagnose der Alzheimer-Krankheit stellen.
Wie behandelt man die Alzheimer-Krankheit?
Eine ursächliche Behandlung der Alzheimer-Krankheit oder ein Aufhalten des fortschreitenden Krankheitsprozesses ist nach heutigem Stand der Wissenschaft noch nicht möglich. Verschiedene Maßnahmen können aber den Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit verzögern. Ziel der therapeutischen Bemühungen ist es, die Alltagskompetenz der Erkrankten möglichst lange zu erhalten.
Antidementiva
Medikamente, die die Hirnleistung beeinflussen (so genannte Antidementiva), spielen eine wichtige Rolle. Bei Betroffenen mit einer leichten bis mittelgradigen Alzheimer-Krankheit können Medikamente aus der Gruppe der so genannten Cholinesterase-Hemmer in circa 50 Prozent der Fälle zunächst das weitere Fortschreiten des Krankheitsprozess ein wenig verlangsamen. In einigen Fällen kann es in dieser Zeit sogar zu einer vorübergehenden Verbesserung einiger Hirnleistungen kommen. Diese positiven Effekte dauern in den meisten Fällen allerdings nur rund sechs bis zwölf Monate an.
Bei manchen Betroffenen in einem frühen Stadium und auch mit mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Krankheit bewirkt die Substanz Memantin zwar keine Verbesserung, aber gelegentlich ein langsameres Fortschreiten der Symptome, ähnlich der Acetylcholinesterase-Hemmer.
Für alle Medikamente gilt, dass der Therapieerfolg individuell sehr unterschiedlich ausfallen kann. Bei Misserfolg mit einer Medikamentengruppe wechselt der behandelnde Arzt deshalb auf ein anderes Medikament. Wie neue Studien andeuten, scheint die Kombination von Antidementiva mit unterschiedlichen Wirkmechanismen die Effektivität der Behandlung zu verbessern.
Psychopharmaka
Manchmal ist es notwendig, Verhaltensänderungen wie Unruhe, Aggressionen, Wahnvorstellungen oder Schlaflosigkeit, die besonders die betreuenden Angehörigen belasten, mit Psychopharmaka (Neuroleptika oder Antidepressiva) zu behandeln.
Die medikamentöse Therapie ist aber nur eine Säule der Behandlung. Sie wird durch Maßnahmen ergänzt, welche die noch erhaltenen Fähigkeiten des Betroffenen möglichst lange erhalten sollen.
Ergänzende Maßnahmen
Dazu zählen zum Beispiel das Verhaltenstraining, die Erinnerungstherapie, das Selbst-Erhaltungstraining, die Ergotherapie und die Physiotherapie. Leider bewirken Behandlungen und Maßnahmen mit dem Ziel der Verbesserung der Hirnleistung (Hirn-Jogging, Hirnleistungstraining) nur selten eine deutliche Verbesserung der Hirnfunktionen im Alltag. Manchmal können sie sogar zu einer Überforderung der Betroffenen und somit oft eher zu einer Verschlechterung der Symptomatik führen. Wichtig ist es, die oft schwer einschätzbare Balance zwischen Unter- und Überforderung zu erkennen. Hier kann eine intensive Beratung durch Therapeuten den Angehörigen helfen, auf die besonderen Bedürfnisse der Betroffenen adäquat einzugehen.
Alzheimer-Impfung
Erste Studien bezüglich einer "Alzheimer-Impfung", welche die Ablagerung der typischen Eiweißpartikel verhindern soll, zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Ob und wann sich dieses Verfahrens als so sicher und zuverlässig erweist, dass es angewendet wird, kann derzeit noch nicht gesagt werden.
Was kann man als Angehöriger für den Betroffenen tun?
Angehörige sollten sich zunächst umfassend über die Erkrankung und über den möglichen Krankheitsverlauf informieren. Wichtig ist, sich über die eigenen Kräfte und Grenzen bewusst zu werden und sie zu akzeptieren: Die Pflege von Betroffenen ist eine körperlich sowie seelisch sehr erschöpfende Tätigkeit, die schnell überfordern kann.
Damit es nicht so weit kommt, sollten "Helfer" darauf achten, sich selbst Erholungspausen zu verschaffen oder Hilfe in Anspruch zu nehmen. Angehörige können sich zum Beispiel an die Angehörigengruppen in der Alzheimergesellschaft wenden.
Für die Betroffenen ist eine möglichst klar strukturierte und vertraute Umgebung wichtig. Ein überschaubarer und gleichbleibender Tagesablauf gibt den Betroffenen Sicherheit. Die Erkrankten sollten so lange wie möglich an den alltäglichen Arbeitsprozessen teilnehmen und ihre Eigenständigkeit bewahren.
Die Anforderungen müssen nach und nach auf die nachlassenden Fähigkeiten abgestimmt werden, sodass sich die Erkrankten nicht überfordert fühlen. Alzheimer-Patienten brauchen viel Verständnis. Denn es kann für sie sehr beschämend sein, wenn sie sich ihrer Unzulänglichkeiten bewusst werden.
Auf Verhaltensweisen wie Ängstlichkeit und Unruhe sowie Aggressionen sollte das Umfeld versuchen, gelassen zu reagieren. Sie sind keine bewusste Schikane, sondern entspringen der Angst und Ratlosigkeit der Betroffenen.
Wie ist die Prognose bei Alzheimer?
Da die Alzheimer-Demenz ursächlich nicht behandelt werden kann und zunehmend fortschreitet, ist ihre Prognose ungünstig.
Man kann allerdings nicht genau vorhersagen, wie lange jemand lebt, der an Alzheimer erkrankt ist, und wie die Erkrankung verläuft. Dazu sind die individuellen Unterschiede zu groß. Rein statistisch betrachtet leben die Betroffenen vom Zeitpunkt der Diagnose an im Durchschnitt noch acht Jahre. Todesursachen sind in der Regel körperliche Erkrankungen als Folge der Bettlägerigkeit und des geistigen und körperlichen Abbaus.
Impressum
Copyright: Sanvartis GmbH
Letzte Aktualisierung: Juni 2009
Durch: Volker J. Jung, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
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